Bangkok, noch einmal

Tag 48

Morgens um ½ 8 hat mich pünktlich das Taxi zur Fähre nach Koh Samui gebracht, so dass ich war dann um 9.15 am Flughafen gestanden bin. Weil ich keine Lust hatte, bis 13.00 Uhr auf den Flieger zu warten, hab ich einfach mal beim Stand By Counter gefragt, ob die mich umbuchen und siehe da: Der Typ hat mich klaglos auf den nächsten Flieger um 10.10 Uhr gesetzt und nichts dafür berechnet. Cool.

In Bangkok wohne ich im Chillax-Resort, einem netten Hotel nahe der Khaosan Road. Ich bin erst mal zum Wat Traimen, das kenne ich noch nicht. Ein goldener Buddha. Danach bin ich einfach mal losgelaufen und hab mich treiben lassen. Ein paar Studenten haben mich „interviewt“, mit Mikrofon und  vielen großen Fotoapparaten, ich glaube, der Hauptzweck war, mich zu fotografieren. Jedenfalls wollten sie dann unbedingt Fotos mit mir in unterschiedlicher Besetzung und mit allen Kameras.  In der  Khaosan Road ist die Hölle los, Läden, Kneipen, Stände und von überall tönt Musik, selbstredend jeweils eine andere aus jedem Lokal. Dort hab ich dann zu Abend gegessen und die vorbeilaufenden Leute beobachtet.

 

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Tag 49

Für heute hatte ich eigentlich keine besonderen Überraschungen mehr erwartet. Bloß dass es immer anders kommt, als man denkt. Mein Plan war, vormittags nochmal den Königspalast anzuschauen, danach vielleicht noch eine Massage im Wat Pho und dann ins Hotel und am Swimming-Pool auf den Flug warten. Ein gemütlicher Tag also ohne besondere Vorkommnisse.

Ich hab mich also auf den Weg gemacht. In der Khaosan Road habe ich eine nette Frühstücksbar gefunden, in der es Banana Pancakes und Iced Coffee gab. Heißer Kaffee ist bei der schwülen Hitze hier nicht erträglich. Dann wollte ich mit einem Tuktuk los zum Königspalast. Der Fahrer hat mir erklärt, der mache erst um 12.00 Uhr auf, was natürlich nicht stimmt. Bis dahin könne er mir aber die Zeit vertreiben mit einer kleinen Stadtrundfahrt zum Standing Buddha (46 m high!) und zum Lucky Buddha (very holy!) und dann bringe er mich zum Palast. Das alles für 100 Baht, also 3 EUR. Ich also, ok, schaut gut aus. Machen wir. Bin ja immer offen für alles. Er mir also aufgeschrieben, wie die Tour gehen sollte. Als ich den Zettel gelesen habe, stand da ganz unaufällig an dritter Stelle „Export“. Auf meine Frage, was das solle, meinte er, ich müsse nur ganz kurz (only 10 Minutes, Madam, beautiful jewelry!) in den Shop reingehen, dann würde er einen Coupon für das Benzin kriegen und könne mich deshalb so billig fahren. Ich also: Aber ich kaufe nichts. Neineinein, das muss ich auch nicht, nur reingehen usw. Also gut. Man kommt nicht aus, egal wie man reist.

Standing Buddha war ja noch ganz schön, kannte ich noch nicht, war hoch und golden, also gut. Daneben war natürlich ein Tempel, ganz interessant, mit einem Urnenfriedhof.

Lucky Buddha war hauptsächlich geschlossen. Auf den Stufen vor dem Tempel saß ein Mann, der mich angequatscht hat: „Closed, monk pray! Only 5 minutes!“ Ich wollte dann um den Tempel rumgehen, bis Monk fertig, aber er belehrte mich, das gehe nicht, solange der betet, darf man nicht rumgehen. Auch nicht außen. Also hab ich mich zu ihm gesetzt und gewartet. Wie gesagt, ich bin tiefenentspannt. Wir haben uns unterhalten, er wollte wissen, woher ich bin usw, das Übliche halt. Dann wollte er telefonieren, offenbar hab ich ihn dabei eher gestört. Also erklärte er mir, ich könne jetzt rumgehen. Wohlgemerkt, an der Situation im Tempel hat sich rein gar nichts geändert. Kein Mönch, kein Buddha, keine offene Tür, nichts. Ich also: „How long monk pray?“  Darauf er: „perhaps very long“. Ich hab dann die Gärtner gefragt, wann der Tempel aufmacht und die haben mir erklärt „only Buddha day“. Wann immer das ist. Nicht heute jedenfalls.

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Schon etwas angesäuert bin ich wieder zu meinem Tuktuk zurück, das mich dann, wie angekündigt, zu dem Export Shop gefahren hat. Wie ebenfalls angekündigt, habe ich nichts gekauft und bin nach einem Rundgang wieder raus. Da erklärt mir der doch glatt, er müsse mich noch zu einem anderen Export Shop fahren, nur dann bekomme er seine Provision. Gleiche Firma, anderer Laden, „only 5 minutes“. Da wurde ich langsam etwas nervös und das heißt was bei meinem momentanen Zustand. Aber er war nicht abzubringen und hat mich quasi angefleht, da mitzuspielen. Also gut. Ich also rein in den Shop, einmal rum, es handelte sich diesmal um eine Schneiderei, dem Typen erklärt, ich lasse in Indien schneidern und fliege im übrigen heute wieder ab, und wieder raus aus dem Shop. Der Fahrer total sauer: Ich hätte mindestens 10 Minuten bleiben müssen, sonst kriegt er seine Provision nicht usw. In dem Moment hatte er sein Trinkgeld verspielt. Bislang war das ja alles noch ganz nett und ich war bereit, ihm den Gefallen zu tun, weil ich Zeit hatte und wissen wollte, wohin das alles führt, aber jetzt hat’s gereicht. Dass mich der anpampt, weil ich zu kurz in dem Laden war, das geht nicht. Also hab ich die Diskussion abgebrochen und ihm erklärt, er kriegt überhaupt kein Geld, wenn er mich jetzt nicht schleunigst zu dem Palast bringt.

Dort angekommen, stelle ich mich in die Ticketschlange und dreh mich kurz um. Wer steht genau hinter mir? Claudie, die Münchnerin, die ich gestern auf dem Flughafen in Koh Phangan kennengelernt habe. Sie gleich total erfreut, ich auch, und wir haben beschlossen, den restlichen Tag gemeinsam zu verbringen. Also haben wir den Königspalast angeschaut, wunderschön, beeindruckend.

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Dann sind wir zum Wat Pho, um uns massieren zu lassen. Dort haben wir, ebenfalls ungeplant und zufällig, einen guten Freund von ihr und dessen Kumpel  getroffen. Nach der Massage sind wir zu viert weiter gezogen mit dem Wassertaxi zur Khaosan Road, um essen zu gehen. Auf dem Weg habe ich mich mit dem einen Typen unterhalten, ein total interessanter Mann. Er ist Iraner, in Schweden aufgewachsen und lebt seit 5 Jahren in Tansania. Dort hat er eine Fair Travel Agentur. Wir haben uns über Politik, die Weltwirtschaft, Tourismus und Afrika als Wiege der Menschheit unterhalten, und das alles in etwa einer halben Stunde. Ganz ein kluger Kopf und extrem gelassen.

Ja, und auf dem Weg in den Massagesalon kriege ich eine Nachricht von Julia: Das Foto eines positiven Schwangerschaftstests. Ich denk, mich trifft der Schlag. Dann denk ich, na ja, sie ist im richtigen Alter, den richtigen Mann hat sie auch, also freuen wir uns. Ist doch nett, ein Baby. Die ganze Familie ist regelrecht ausgeflippt auf What’s App. Als sich alle ein bisschen beruhigt haben, hat sie eine Sprachnachricht abgesetzt: „April April“. Fast schade.

Nach einem letzten Pad Thai mit Claudie bin ich noch gemütlich im Hotel am Swimmingpool gelegen, bis ich zum Flughafen musste.

Die Auszeit ist zu Ende, es geht nach Hause und damit wieder zurück in mein europäisches Leben. Ich freue mich auf meine Lieben, Familie wie Freunde. Es war eine tolle Reise mit vielen spannenden Erlebnissen und Eindrücken, die mich, wie geplant, aus meinem Alltag mit all seinen Sorgen und Nöten völlig herausgerissen und mich wieder zu Leichtigkeit, Lebensfreude und Abenteuerlust zurückgeführt hat. Es war nicht immer einfach, vor allem die Ereignisse auf meiner Fahrt entlang der Great Ocean Road allein zu verdauen war eine Herausforderung. Die Menschen, die ich getroffen habe, waren eine willkommene Bereicherung, die Städte und Landschaften großartig und allein zu reisen eine Erfahrung von Freiheit und Unabhängigkeit, die mich persönlich hat wachsen lassen.

Koh Phangan: Party ins Nirwana?

Tag 45

In unserem Überschwang haben Angelina, Joana und ich dann gleich den Angthong Marine Park gebucht. Es gab schnelle und langsame Boote, wobei die schnellen halt schnell und modern sind, die langsamen dafür schöner, weil aus Holz und altmodisch. Wir haben uns für schön entschieden. Mit dem coolsten Käpt’n.

Der Shuttlebusfahrer hat uns an der falschen Straße abgeholt, oder wir waren falsch, wer weiß das schon. Als uns ein Motorradfahrer darauf hingewiesen hat, dass da wer wartet, haben wir uns dann gefunden.

Der  Angthong Marine Park schaut im Prinzip aus wie die Halong Bucht, bloß viel kleiner. Hübsch anzuschauen. Dort waren wir erstmal schnorcheln, wobei sich die Unterwasserwelt auf ein paar kleine Fische und Seeigel beschränkt hat. Auf einer anderen Insel sind wir mit dem Kajak zu einem sehr steilen Weg, der über viele viele Treppen zu einer Lagune führt. View Point. Ein Deutscher hat ziemlich genervt, weil er uns die ganze Zeit erklärt hat, wie Paddeln geht und dass er im Kanuclub war und keinen im Kajak haben will, der das nicht gelernt hat und dass er allein schneller ist (wozu? Dazu ist ihm nichts eingefallen), dass er keine Schwimmweste anzieht, weil er schwimmen kann und so weiter. Typisch unentspannter Besserwisser halt. Nebenbei hatte er vor allem Angst: dem Essen, den Getränken, dem Schwimmen in stehendem Wasser….Er lebt in Berlin und hat gemeint, er kann mich beeindrucken, wenn er München (MÜNCHEN!!!!) schlecht macht („Angeberstadt, da zählt bloß der Ferrari, darüber lachen wir in Berlin“ etc. Ich hab dann gesagt, „den Ferrari nehme ich bloß als Zweitwagen, ich fahr lieber den Aston Martin, der hat mehr Kofferraum“. Dann war Ruhe).

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Beim nächsten Inselchen hat sich dann beim Schwimmen die Gelegenheit ergeben, die hübschen Typen anzuquatschen, die wir schon die ganze Zeit auf dem Schirm hatten. Da sie eine total undefinierbare Sprache gesprochen haben, haben wir auf Israelis getippt, weil italienisch erkennen wir ja. Es hat sich herausgestellt, dass es Brasilianer sind. Zwei Notare, ein Richter und ein plastischer Chirurg. Ich wandere übrigens nach Brasilien aus. Die Juristen dort sind einfach attraktiver (ich entschuldige mich in aller Form bei allen mitlesenden Kollegen 😉 ), wenn auch die Badehosen der Herren etwas old-fashioned sind.

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Im Hotel angekommen, haben wir schleunigst für ein ansprechendes Äußeres gesorgt und sind los, ins Blue Dream Hostel, wo die Brasilianer wohnen, zum Vorglühen. Es gab dort Buckets, so kleine Plastikeimerchen mit viel Getränk und Eis drin, in der Happy Hour zwei für einen Preis. Man konnte sich aussuchen, was drin sein soll. Entsprechend war dann schnell mal die Stimmung. Die Jungs waren auch da und der hübscheste hat sich um uns gekümmert. Wie sich später herausgestellt hat, ist er 29 Jahre alt (manchmal wär ich schon gern 25 – 30 Jahre jünger…). Die anderen lagen noch im Mittagsschlaf, die haben offenbar einen anstrengenden Urlaub und sind immerhin schon über 30.

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Als dann alle da waren, sind wir zur Half Moon Party. Die war mitten im Dschungel, eine tolle Location. Alles ist in Neon, man kann sich neon bemalen lassen und es gibt neonfarbene T-Shirts und alles. Auch hier war ein Bucket im Preis enthalten, die Männer haben für stetigen Nachschub gesorgt. Es läuft laute Techno-Musik, die Bühne des DJ ist mit Light-Shows vom Feinsten dekoriert, ein Feuerläufer macht Kunststücke und es sind tausende Leute da. Wir also mit diesen hübschen Jungs da aufgekreuzt und erst mal abgetanzt. Es hat sich allerdings herausgestellt, dass die wohl lieber rumstehen. Brasilianer halt, die können ja bekanntlich nicht tanzen.

Na ja, dann halt ohne die. So um 3 bin ich dann mit Joana heimgefahren, die musste heute um 7 eine Fähre kriegen. Angelina hab ich irgendwann aus den Augen verloren, sie ist nicht mehr im Retreat aufgetaucht. Wahrscheinlich hat sie einen abgeschleppt. Genug Auswahl in ihrem Alter gab’s ja.

Tag 46

Heute früh hatte ich natürlich einen Kater von den Buckets und vom wenig schlafen. Beim Yoga hab ich gefehlt. Dafür war nachmittags ein Access Barre Treatment, so eine spirituelle Heilmethode, bei der die Energiekanäle aktiviert  und Blockaden beseitigtwerden. So ähnlich wie Craniosakralbehandlung.  So entspannt war ich glaub ich noch nie in meinem Leben. Ich bin sofort eingeschlafen. Toll. Mach ich  morgen wieder.

Dann bin ich ins Dorf runter. Eigentlich wollte ich mir bloß ein Fährticket für übermorgen kaufen. Weil ich ja sonst auch nichts vorhatte, dachte ich, ich gönn mir nach 7 Wochen rumrennen in Trekkingschuhen  eine Pediküre, damit meine Füße mich wieder lieb haben und die dicke Schutzschicht, die sie gegen mich  aufgebaut haben, mal ablegen. Hat ja keinen Sinn, wenn einen die eigenen Füße nicht mögen.  Nun ja, anscheinend fanden meine Hände auch, dass sie mal behandelt werden möchten und das Karma fand, ich könnte mal ein bisschen Hokuspokus vertragen. Vielleicht wegen der vielen Smoothies. Jedenfalls wurde aus meinem Plan eine Pediküre, eine Maniküre, ein Footscrub und eine Tarotsession mit Handlesen. Das kam so:  Ich gehe in einen x-beliebigen Massagesalon rein, wo mich so 6-7 Masseurinnen bzw. Kosmetikerinnen freundlich erwarten. Ich bestelle eine Pediküre. Auf der Massagebank gegenüber meinem Fußbad sitzt ein offensichtlich thailändisches Pärchen, das sich mit einer älteren Frau intensiv unterhält. Nach einiger Zeit sehe ich, dass die die Hände von dem Mann intensiv betrachtet. Die merken, dass ich sie beobachte und erklären mir auf englisch, die Handleserin sei ganz toll und wisse alles, also wirklich alles, und ich soll das unbedingt auch machen. Ich also, ok, was kostet das? Na ja, hier kann man sich die Sachen ja leisten: 5 EUR. Problem: Die Frau kann kein Englisch. Ich also zu dem Mann: Dann übersetzt du mir das halt. Der  Mann lacht und meint, er sei Holländer und das kommt mich teuer, denn sein Stundensatz sei höher als der von der Frau. War aber bloß ein Witz, also das mit dem teuer.

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Um die Wartezeit – Madam musste erst Kaffee trinken, klar, nach zwei Prophezeiungen –  sinnvoll zu nutzen, hab ich den Schönheitsservice dann ein bisschen ausgedehnt. Jedenfalls, als ich dran war, wurde mir eine leuchtende Zukunft an der Seite eines tollen jüngeren Mannes prophezeit unter Anteilnahme des gesamten Salons. Ich also: „JA! GUT! Jüngerer Mann! Sehr gut!!!“  Was wahre Stürme der Begeisterung im ganzen Salon ausgelöst hat. Ich hab dann die ganze Zeit auf dem jüngeren Mann rumgeritten (rein verbal natürlich, er ist ja noch nicht aufgetaucht): Schöne Hände, schöne Füße, gut für jungen Mann; schöne Hände, schöne Füße, schöne Zukunft usw. Damit hab ich den ganzen Salon bis nach Geschäftsschluss unterhalten und mir damit einen Tee verdient. Der Holländer hat sich auch totgelacht und seine Freundin war völlig begeistert. Ansonsten fand ich die Zukunftspläne, die Madam für mich hatte, nicht so inspirierend: Sie meinte, ich solle im Nordosten von Thailand ein Restaurant aufmachen, da würde ich steinreich damit. Na ja, so irgendwie glaub ich, als Anwältin in München werd ich wahrscheinlich doch reicher…Ach ja, und dann hat sie mich noch gefragt, ob mein Ehemann eine thailändische Freundin hat. Ich sage, hm, meines Wissens nicht, die, die ich kenne, ist jedenfalls blond. Das hat wieder einen Begeisterungssturm bei den Mädels ausgelöst. Dabei hab ich das gar nicht als Witz gemeint.

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Tag 47

Heute vormittag nochmal Yoga und Meditation und Access Barre. So tiefenentspannt wie hier war ich glaub ich noch nie. Nach dem Mittagessen bin ich ins Dorf gelaufen und hab meine Wäsche geholt. Dabei war ich nochmal auf dem Markt und hab mit einem Smoothie für mein Karma gesorgt,  Ananas, Mango, Minze.

Und jetzt kommt’s: Ich verlier langsam jegliche Hemmungen, mich zu benehmen wie eine 25jährige Backpackerin.

Ich. Bin. Per ANHALTER wieder zurückgefahren! Auf einem Moped! Ich mach hier lauter Zeug, vor dem ich eigentlich Angst hab. Per Anhalter auf einem Moped, ohne Helm, mit einer Tüte Wäsche in der Hand, ohne mich festhalten zu können. Ich. Kinder, macht das bloß nicht nach! Das ist s e h r unvernünftig!

Im Resort hat Johanna dann noch eine Osho-Bewegungs-Meditation gemacht, das hat mir gut gefallen. Natürlich kann, wenn man im lauen Abendwind auf einer Terrasse mit Blick über das Meer und auf den Sonnenuntergang sitzt, nicht viel schiefgehen. Trotzdem, es war schön und intensiv und ein guter Abschluss. Dann gab es Abendessen, diesmal durchaus reichlich, Reis und Suppe und eine Kokosnuss für jeden. Alles in allem wurde der Aufenthalt hier von Tag zu Tag besser, die Behandlungen waren super, die Stimmung entspannt und sehr freundlich, das Essen war ganz in Ordnung und an die Portionen hab ich mich dann auch gewöhnt, mit ein bisschen Unterstützung durch Smoothies und ein paar Snacks vom Nachtmarkt. Der Blick über Meer und Nachbarinseln ist jedenfalls unschlagbar.

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Koh Phangan: Führen Smoothies ins Nirwana?

Tag 42

Business zu fliegen ist wunderbar. Wenn es geht, mach ich das jetzt öfter. Trotzdem war ich traurig, aber nicht unglücklich, nur wehmütig und ein bisschen sentimental, als ich in Brisbane ins Flugzeug gestiegen bin. Es war aber mehr eine schöne  Art von Trauer, etwas Melancholie, der Abschied von allen Leuten und  von dieser tollen Zeit.

Abends bin ich dann in Bangkok angekommen, geliebtes Bangkok. Es ist gut, in Asien zu sein, alle sind so freundlich und zuvorkommend und – Haupt-Unterschied – alles ist billig.

Tag 43

Der Transfer vom Flughafen in Koh Samui zur Fähre war unkompliziert, Thailand ist bestens organisiert. Das Taxi zum Montevista Resort auf Koh Phangan war nicht unbedingt, was man sich unter einem Taxi vorstellt. Auf meinen etwas überraschten Einwand, ich habe doch eine Reisetasche, meinte der Fahrer „no problem“ und hat die vor sich geklemmt, mich hinter sich und schon sind wir hier den Berg raufgefahren. Wozu ein Auto? Kostet ja bloß.

Die Lage des Resorts ist sensationell, oben auf dem Berg mit Blick auf’s Meer über zwei Seiten. Nach dem Lunch habe ich meinen Bungalow bezogen, eine nette kleine Hütte am Berg, alles ganz romantisch und wunderschön gelegen. Ideal zum Nachdenken über die letzten Wochen, was diese Reise alles bewirkt und verändert hat und was sich insgesamt ändern könnte und sollte.

Am Spätnachmittag noch Meditation mit Chakra-Musik auf der Terrasse, im lauen Wind mit Blick auf die umliegenden Inseln. Schaut so aus, dass es hier sehr angenehm und ruhig wird.

Tag 44

Ok, also ruhig und Yoga ist ja gut und schön. Es gibt allerdings ein Problem. Ich war ja gestern Abend noch total ausgehungert, weil das Abendessen so wenig war. Vegane Küche, es gab nur eine Gemüsetasche  (Gemüse in Reisblatt, Singular) für jeden. Also bin ich heute früh in die Küche und  wollte eine Banane vor der Yogastunde. Da hat mir die Yoga-Lehrerin erklärt, das geht nicht, weil wir erst nach dem Yoga frühstücken. Ich hab dann erklärt, dass ich dann in die Stadt runterfahre und mir was hole, dann durfte ich. Die Yogastunde war sehr gemäßigt und langsam und nur Basics. Für heute war das ok, aber ich habe ja auch 6 Wochen keinerlei Sport gemacht, aber an sich ist mir das zu wenig.

Danach gab es Frühstück. Endlich! Das besteht hier allerdings aus einem Früchteteller, Banane, Ananas, Melone. Fertig. Die Besitzerin hatte ein Porridge, die Gäste nicht. Ich hab dann gefragt, ob ich auch eines bekomme, dann hat sie eines machen lassen, Oatmeal ohne Zucker oder irgendwas,  geschmacksneutral, na ja, besser als nichts. Kein Müsli, kein Toast, keine Eier oder irgendwas. Ich meine, nur von Melonen und so wird ja kein Mensch satt. Natürlich gibt es auch keinen Kaffee, sondern nur grünen oder Kräutertee. Ihr kennt mich. Bei zu wenig Essen hört der Spaß auf.  Wieso sagt da sonst keiner was? Sind die alle anorektisch? Schauen gar nicht so aus. Oder stimmt mit mir was nicht?

Das Mittagessen war ein Teller Nudelsuppe. OH OH. Ich sehe Probleme kommen. Danach sind wir zu dritt ins Dorf runter und das erste was wir gemacht haben, war, in ein Café zu gehen, einen Kuchen zu essen, Smoothies und Kaffee zu trinken und einen food-market zu besuchen, auf dem es alle möglichen Köstlichkeiten gab. Da haben wir gleich noch einen Smoothie getrunken und dann waren wir endlich satt. Angelina meinte, sie macht das schon seit Tagen, dass sie nachmittags und abends da runter geht und was Ordentliches isst. Nachdem das Essen auf dem Markt ja praktisch nichts kostet, vielleicht keine schlechte Idee, so kommt man wenigstens unter Leute und muss sich im Resort nicht aufführen.

Wegen unserer Fresstour haben wir die Nachmittagsmeditation verpasst. Ich werd‘ nie ein guter Yogi. Smoothie schlägt Erleuchtung. Um Längen. Wie soll das jemals was werden mit dem Karma? Aber Buddha wusste auch schon, dass Askese nicht zum Ziel führt. Zum Glück habe ich ein gutes Vorbild. Vielleicht klappt’s ja doch noch. Ansonsten bin ich glaub ich lieber satt und unerleuchtet. Ich leuchte dann quasi vor Zufriedenheit. Reicht zwar wahrscheinlich nicht für’s Nirwana, aber mei, was soll’s. Dann komm‘ ich halt noch ein paar Mal wieder und esse weiter. Im Nirwana gibt’s bestimmt auch keine Nachspeisen, also wer will da schon hin.

Danach sind wir noch schwimmen gegangen ins lauwarme, glasklare Wasser. Am Strand war eine Frau mit einer Gitarre und hat gesungen und neben ihr stand ein Geigenspieler und hat gegeigt. Superromantisch. Vor allem, wenn man mit zwei Frauen unterwegs ist und dauernd über irgendwas kichert.

Nachdem wir wieder auf dem Berg waren, gab es Abendessen, diesmal Gemüse mit Kartoffelbrei ohne Milch, eher Pampe, alles eher europäisch gewürzt, also gar nicht. Ein Jammer. Aber wenigstens hungere ich nicht mehr. Abends sollte ein Film gezeigt werden. Nach 10 Minuten ist der Strom ausgefallen und das hat offenbar den Datenträger gelöscht. Der Film war unauffindbar. Jetzt sitze ich romantisch auf meinem stockdunklen Balkon und erleuchte mich mit dem Notebook. Schon ziemlich nahe am Nirwana, oder?

Abschiede

Tag 38

Zu meiner großen Freude sind Sonja und Vera noch einmal gekommen und mit mir zum Lake Lennox gefahren, einem See mit rotem Wasser von den Rückständen von Teebaumblättern. Gut für die Haut, gut zum Schwimmen.

Eigentlich wollten wir gegen Abend  Kängurusteaks grillen, aber bevor wir die gekauft haben, haben wir vorsichtshalber mal geschaut, ob es irgendwo einen Grillplatz gibt. Und keinen gefunden. Dann sind wir doch lieber ins Restaurant, denn roh sind die Steaks eher nicht so toll. Neben dem Lokal war ein kleiner lokaler Markt aufgebaut. Da haben zwei Mädels selbst komponierte Songs so grauenhaft gesungen, dass Sonja gehen musste.

Nach dem Essen waren wir noch in der Beach Hotel Bar auf einen Drink, dann mussten die Mädels wieder nach Brisbane fahren. Ein Abschied auf unbestimmte Zeit.

Tag 39

Heute war ich mit Rick in Bangalow, einer netten kleinen Ortschaft im Hinterland, wo die Häuser noch ganz viktorianisch-kolonial ausschauen, bei einem kleinen Hippie-Markt. Im nächsten Ort haben wir einen völlig schrottigen Antiquitätenladen mit astronomischen Preisen besucht.

Andere Attraktionen hat die Gegend nicht, ausser einem Aussteigerdorf namens Nimbin, wo man Marihuanacookies legal kaufen kann. Das hab ich jetzt mal ausgelassen.  Zum Lunch haben wir ein österreichisch-schweizerisches Ehepaar in seiner Südstaaten-Villa besucht. Es hat aus Kübeln gegossen, aber die überdachte Terrasse war mit Glasplatten gegen Spritzer geschützt und wir saßen total gemütlich da und haben das Unwetter beobachtet. Hier wird’s ja wenigstens nicht kalt, wenn’s mal regnet. Ich genieße es sehr, dass ich hier so am Leben der Leute teilnehmen kann, abseits von den großen Touristen- und Backpackerströmen.

Der abendliche Strandspaziergang in Gewitterstimmung war spektakulär.

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Tag 40

Letzter Tag in Byron Bay.  Strand ist angesagt. Das Wasser ist wunderbar, die Wellen hoch und das Schwimmen ein Genuss. Im Garten lustige Vögel, ein Kookaburra und ein wilder Truthahn.

Abends hab ich dann mit Alex, der Französin, die auch hier wohnt, geratscht und Pilzrisotto gekocht. Rick und Peter waren total begeistert von meinen Kochkünsten (chefkoch.de 😉 ). Ich häng hier die Küchenfee raus, hihi, gut, dass die mich im Alltag nicht erleben…

Tag 41

Good Bye Byron Bay.  Hope to see you again.

Wahrscheinlich ist es gut, dass ich heute hier abhaue, sonst würde es zu traurig. In Brisbane laufe ich ein bisschen melancholisch durch die Stadt. Der letzte Abend in Australien, der Abschied von den Leuten und das absehbare Ende der Reise versetzen mich in eine wehmütige Stimmung. Ich habe es unglaublich genossen. In Sachen Selbstfindung ein voller Erfolg. Ich bin wieder ganz bei mir angekommen und viel relaxter, lebendiger und fröhlicher, auch wenn ich gerade ein bisschen kämpfe. Ich habe hier einige Hemmschwellen überschritten, meine mutige, relaxte, unabhängige und unkonventionelle Seite ausleben können und gleichzeitig meine Emotionen sortiert. So wie ich hier bin, wäre ich gern immer.

Am Abend bin ich noch in Brisbane rumgelaufen und hab am Eagle Pier was gegessen. Die Brücke zur South Bank habe ich überquert, Brisbanes Skyline nochmal in mich aufgenommen und mich von Australien verabschiedet.

Thank you, Australia, you brought me back to liveliness and joy. Cu again soon, hopefully.

Byron Bay

Tag 35

Irritationen.

Nach dem Frühstück fahre ich mit dem Auto zum Flughafen, in das Navi habe ich eingegeben,  Mautstraßen vermeiden. Das hiesige Mautsystem ist für Ausländer undurchschaubar, weil keine Zahlstellen vorhanden sind. Und wie ich die hier kenne, kostet es wahrscheinlich irre Strafen, wenn man einfach durchfährt, ohne sich vorher kompliziert im Internet anzumelden. Das Navi führt mich durch endlose Vororte, ich denke schon, vielleicht bin ich auf der falschen Spur, hm, getting lost will help you find yourself? Selbstfindung durch GPS?

Am Flughafen stellt die Waage bei der automatischen Gepäckaufgabe fest, dass ich 100 g zuviel Gepäck habe und schiebt den Koffer nicht weiter. Eine Angestellte muss mich per Hand einchecken. Die wiegt auch gleich das Handgepäck und stellt fest, dass ich insgesamt 700 g zu viel habe. Also muss ich entweder zahlen oder Zeug anziehen. Das Übergepäck verstehe ich überhaupt nicht, ich hab doch kaum was eingekauft, die paar Klamotten und Souvenirs und der Bumerang und das Didgeridoo und das Kängurufell können doch nichts wiegen, und die Snowboardjacken sind doch raus. Also  häng ich mir das Sweatshirt von der Great Ocean Road um. Ich schau aus wie im tiefsten Winter, mit Pulli und Jacke bei 25 Grad. Dafür komm ich jetzt auf den Flieger.

In Koolangatta suche ich zuerst die Bushaltestelle, um dann festzustellen, dass hier offenbar eine andere Uhrzeit gilt. Mehr als genug Zeit. Der Busfahrer nach Byron Bay, Rick, flirtet mich an und setzt mich auf den Beifahrersitz. Fängt gut an, der Aufenthalt hier.

Als ich ankomme bei meiner Airbnb-Unterkunft, empfängt mich die Besitzerin des Hauses, eine Hippie-Frau, schätzungsweise ein paar Jahre älter als ich. Sie hat mehr Hausregeln als der Knast in Deutschland. Ich darf keine Spinnen töten, ich darf nicht laut sein, ich darf nur 5 Minuten duschen, ich muss die Terrassentür mit zwei Händen öffnen, ich muss die Zimmertür tagsüber auflassen, damit die Katzen durch mein Zimmer ins Freie können, weil da ein Loch im Moskitonetz ist, nachts muss aber zu sein, damit sie nicht rauskönnen , ich darf nur bestimmtes Geschirr zum Frühstück benutzen, ich darf nachts die Klospülung nicht ziehen und ich muss die Haustür abschließen, wenn ich gehe, außer, sie ist zuhause….Na ja, ich denke, die sollte eigentlich nicht vermieten, weil sie eigentlich keine Störungen ihrer Routine  mag. Man hat das Gefühl, man sollte unsichtbar und vor allem unhörbar sein.

Das Haus selber schaut aus wie ein hinduistisch/buddhistischer Tempel, überall Kunst und Kitsch aus verschiedenen asiatischen Ländern, Kerzen, Räucherstäbchen, Tücher, Teppiche usw. Durchaus charmant, es passt in diese alte Hippiestadt. Der Garten ist Dschungel, mit Palmen, Eukalyptusbäumen und vielen kleinen Ecken mit Vogelhäuschen, Buddhas etc. Verwunschenes kleines Paradies.

Nachdem sie mir alle Regeln erklärt hat, ist Deborah völlig überrascht, als ich nach dem Auspacken wieder gehe und erkläre, dass ich ein Date habe. Sie meint, ihr passiert sowas nie, wie ich das mache. Vielleicht bin ich einfach nicht so schrullig und zwanghaft. Das sage ich natürlich nicht.

In dem Pub spielt ein einsamer Gitarrist sehr laut Gitarre. In einer Musikpause kommt er an unseren Tisch und lässt sich nieder mit den Worten, er setzt sich zu uns, weil wir die einzigen in seinem Alter sind. Könnte stimmen. Er entschuldigt sich sofort bei mir, dass er das gesagt hat. Fettnäpfchen, wo bist du? 😀

Tag 36

Ich frühstücke das inkludierte Müsli und Deb erklärt mir, die meisten Gäste frühstücken auswärts. Ich erkläre ihr, dass Müsli mir völlig reicht. Damit wird sie leben müssen.

Sitzend und schreibend am Balkon höre ich ein Knacken im Garten. Ich schau runter: Ein Wallaby!

Byron ist ein netter kleiner Strandort mit hübschen Läden und einem breiten Strand, an dem ganz viele Kitesurfer unterwegs sind. Die Wellen sind hoch und lustig, richtig schwimmen kann  man aber nicht. Aber shoppen, das geht gut. Wenn da nur nicht das Gewichtsproblem mit dem Gepäck wäre…

Tag 37

Mutproben.

Heute war ich beim Friseur (ohne Empfehlung, einfach der nächste Laden!)  und hab mir die Haare färben lassen, das traue ich mich buchstäblich nicht bei Deborah und ihren vielen Regeln. Die flippt aus, wenn ich einen Farbfleck an ihr Waschbecken bringe. Danach hab ich mir noch die Wimpern färben lassen bei einer uralten, fast tauben Kosmetikerin. Es ist schwierig, die Augen zuzulassen, die Gesichtsmuskeln möglichst nicht zu bewegen, damit die Farbe nicht verrutscht, und nebenbei schreiend zu antworten.

Dank des von Rick geliehenen Fahrrads (es schaut aus wie ein MTB, in Wirklichkeit ist es Hollandrad) bin ich jetzt mobiler. Nachmittags war ich am Strand und dann bin ich -heldenhaft- vor Sonnenuntergang zum (world famous! was sonst!) Leuchtturm raufgeradelt, wegen der wunderbaren Aussicht über alle Strände der Gegend. Jetzt weiß ich wieder, warum ich Mountainbiken nicht mag. Vielleicht braucht es aber einfach nur etwas Training und ein besseres Rad. Runter war dann gut, weil  schneller. Am Anfang etwas zu schnell. Nach etwas Üben haben sogar die total eingerosteten Bremsen wieder funktioniert. Da kommen Erinnerungen an Inline-Skaten am Anzinger Berg auf….

Abends war ich dann (allein! Ich find mich sowas von mutig!) in diesem Pub und hab dort ganz nette junge Leute kennengelernt, die mich am Ende noch in einen Nightclub mitnehmen wollten. Als ich lieber heim wollte, hat sich ein Junge angeboten, mich zu begleiten, damit ich sicher ankomme. Er konnte es gar nicht glauben, dass ich mich wirklich traue, 20  Minuten allein durch die Nacht zu spazieren. Süß.

Spieglein, Spieglein an der Wand…Melbourne

Tag 33

Melbourne gewinnt den Preis für die schönste Stadt. Es ist sehr urban, wahnsinnig viele Leute auf der Straße, sehr multi-kulti und eine ausgesprochen interessante Mischung aus alten und ganz bunten, sehr fantasievollen neuen Gebäuden. Auf dem Eureka-Tower gibt es eine ausfahrbare Glaskiste, aus der man einen tollen Blick in alle Richtungen hat. Nichts für Leute mit Höhenangst.

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In der Innenstadt habe ich nette kleine Gässchen entdeckt und eine historische Straßenbahn, mit der man kostenlos rund um die Stadt fahren kann. Das habe ich dann gemacht und bin im Hafenviertel ausgestiegen, wo es noch mehr tolle Architektur und alte und neue Schiffe zu bestaunen gibt. Ich hab mich einfach treiben lassen, ohne konkretes Ziel, so lernt man Städte am besten kennen.

Gegen Abend war ich noch in der St. Pauls Cathedral und habe für Etus und Joszi Kerzen gespendet. Vielleicht hilft es ja was, und wenn nicht, ist es jedenfalls kein Schaden, ein Zeichen der Trauer und der Erinnerung zu setzen.

Zum Abschluss des Tages gab’s Fish and Chips am Federation Square mit Aussicht auf das bunte Treiben überall.

Tag 34

Mein erstes Ziel heute war der Queen Victoria Market. Ich dachte, ich weiß schon, wie ich da hinkomme, weil ich ja gestern, natürlich am Ruhetag, schon da war. Heute bin ich also einfach mal in die erste Trambahn gestiegen, die in die Richtung fuhr. Irgendwann kam es mir komisch vor, dass wir schon so lange fahren und immer noch nicht da sind. Ich also ausgestiegen um festzustellen, dass ich viel zu weit bin. Also zurück mit der nächsten Tram und irgendwo raus, wo mir die Häuser bekannt vorkamen. Irrtum. Also hab ich versucht, den Markt mit dem Stadtplan zu finden. Ich dachte, ich kann Karten lesen und laufen macht mir ja nichts. Na ja, Melbourne ist nicht nur schön, sondern auch groß und verwinkelt, jedenfalls außerhalb des Zentrums. Dabei hab ich immerhin so eine Arts Factory entdeckt mit lauter Tanzevents und einen schönen alten Bahnhof und schöne Arkaden mit vielen Geschäften. Irgendwann hab ich den Market dann gefunden, eine halbe Stunde, bevor er geschlossen hat. Kein Glück mit Dauer-Shopping heute. Der Markt ist riesig und überdacht und unterteilt in eine Abteilung mit Obst und Gemüse und eine mit Kleidung und Souvenirs usw. So ähnlich wie in Asien, wo auch die meisten Verkäufer herkommen.

Die State Library of Victoria. Ich fühle mich wohl in Bibliotheken, deshalb geh ich auch immer gern mal rein und setze mich in den Lesesaal, um ein bisschen Pause von der Rumlauferei zu haben. Das kostet nicht mal in Australien was und macht Spaß, man weiß nie, auf welche neuen Erkenntnisse man so zufällig trifft. Das erste Buch, das mir in die Hand gefallen ist, war „The meaning of life“ von Terry Eagleton. Das erste Statement, das er gibt ist, dass jemand, der ein Buch über diese Frage schreibt, entweder verrückt ist oder Humor haben muss und er hofft, er habe letzteres. Dann geht er die verschiedenen Philosophen durch anhand deren Meinung zum Thema, garniert mit seiner eigenen, alles sehr witzig und klug geschrieben. Ich kann es Leuten, die an Philosophie interessiert sind, nur empfehlen. Könnte es ein Sinn des Lebens sein, dass wir den Sinn des Lebens nicht herausfinden sollen? Oder ist er so offensichtlich, dass wir ihn nicht sehen? Oder würden wir es nicht ertragen, den Sinn des Lebens zu kennen und erfahren ihn deshalb nicht? Oder ändert sich der Sinn im Laufe des Lebens öfter mal, so wie unsere Ziele sich ändern? Ich bin also richtig lang da hängen geblieben. Das Buch hab ich trotzdem nicht fertig gekriegt. Ich werde es kaufen müssen.

Dann bin ich noch in der Stadt herumgelaufen und hab alles mögliche angeschaut, tolle Gebäude, schöne Arkaden, Malls. Melbourne ist bisschen wie die asiatischen Städte, sehr eklektische Architektur, sehr viele junge Leute unterwegs und sehr viele Asiaten. In allen Reiseführern steht, es sei die europäischste Stadt Australiens, das finde ich überhaupt nicht.

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Great Ocean Road

Tag 31

So ist es im Leben. Du weißt nie, was als Nächstes kommt. Ein Moment, und alles ändert sich. Du fährst gemütlich im Sonnenschein los, voller Freude über die schönen letzten Tage und gespannt auf die nächsten Erlebnisse auf einer der schönsten Straßen der Welt und schon ziehen dicke Wolken auf. Der Blitz schlägt ein, als die Internetverbindung wieder steht.

Nach der Abreise von Jimmy’s Farm bin ich bei Kingston SE wieder in eine 3G-versorgte Zone gekommen und habe erfreut zur Kenntnis genommen, dass mein Handy wieder Empfang hat. Also bin ich gut gelaunt stehen geblieben, um meine Nachrichten abzuhören. Laca hatte eine Sprachnachricht geschickt, die mich allerdings so schockiert hat, dass ich erst einmal eine Weile da gestanden bin.

Meine langjährige Haushaltshilfe Etelka und ihr Lebensgefährte Jozsi sind in der Nacht vorher an einer Kohlenmonoxidvergiftung gestorben. Sie hatten wohl länger ihre Stromrechnung nicht bezahlt und daher wurde ihnen der Strom gesperrt. Natürlich mussten sie heizen und haben das mit einem alten Benzinaggregat getan, das Jozsi wahrscheinlich umgebaut hatte. Offenbar haben sie nicht daran gedacht, die Abgase abzuleiten und da Kohlenmonoxid geruchsfrei ist, sind beide in der Nacht erstickt.

So etwas relativiert die eigenen Befindlichkeiten und Problemchen ziemlich schnell. Angesichts des völlig überflüssigen Todes von Menschen, die man jahrelang kannte und die nett und herzensgut waren, erscheint alles andere banal und nebensächlich.

Der Tod ist groß.

Wir sind die Seinen lachenden Munds.

Wenn wir uns mitten im Leben meinen,

wagt er zu weinen

mitten in uns.

(Rainer Maria Rilke)

Die ganze Strecke bis Port Campbell habe ich nicht so richtig wahrgenommen, wie die Landschaft ist. In Bridgewater war am Kap ein nettes Café, von dem aus man den Surfern zuschauen konnte. Dort bin ein wenig gewandert und habe versucht, die Neuigkeiten zu verdauen. Aber so schnell geht das natürlich nicht. Passender Weise hat es am Nachmittag angefangen in Strömen zu gießen, der erste Regen seit ich von zuhause aufgebrochen bin.

Tag 32

Morgens in Port Campbell ist es bewölkt, aber es regnet nicht. Die Aussicht auf die zerklüftete Küste ist atemberaubend. Trotzdem fehlt mir heute eine Begleitung. Es fehlt ein Gegenüber, mit dem ich die Eindrücke von der  spektakulären und überwältigenden Natur und natürlich die Gedanken angesichts der gestrigen Ereignisse austauschen könnte. Ich fühle mich wie im Nebel, gedämpft und düster trotz der wunderschönen Strecke.

Die Aussichtspunkte sind alle großartig. Vergleichbar ist diese Straße allenfalls mit dem Highway Nr. 1 in Kalifornien und der Amalfi-Küste. Die 12 Apostel sind natürlich ein Höhepunkt, aber die anderen „spectacular sights“ müssen sich auch nicht verstecken. Leider ist das Licht nicht so fotogen, ich bin mittags da und habe daher keinen Sonnenauf- oder -untergang. Außerdem sind überall Wolken, es ist so kalt, dass ich mir im Touristenshop ein Sweatshirt kaufen musste. Meine Sommergarderobe ist hier angesichts des herbstlichen Wetters viel zu dünn.

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Nach dem wesentlichen Abschnitt der Straße mit den steinernen Zeugen einer wilden Geschichte aus gewalttätigen Wassermassen und dem am Ende zwecklosen Widerstand der Felsen führt die Route durch Eukalyptuswälder und Pinien. Bis auf einige nette Badeorte unterwegs ist die Landschaft hübsch, aber unspektakulär.  Bis  Melbourne zieht sich die Strecke ziemlich, ich hätte gut ab Apollo Bay auch den Highway nehmen können.

Gegen Abend erreiche ich Melbourne. Ich wohne bei meinem nächsten Couchsurfing-Host, Hans, ein in Südafrika geborener Deutscher, der aber schon ewig hier lebt und dessen Wohnung ausschaut wie ein Musikstudio. Keyboards, Gitarren, Musiker-Zeug überall, sogar eine elektrische Ukulele hat er. Er singt in einer acapella Band und ist ansonsten ein recht relaxter Typ. Wir gehen zusammen einkaufen und kochen Spaghetti Bolognese, dann schauen wir noch einen Film über die Little River Band an und ich falle um 10.00 Uhr todmüde ins Bett.

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Adelaide und Landleben

Tag 27

Adelaide ist eine nette Stadt mit einer pulsierenden Fußgängerzone, in der an jeder Ecke Musiker spielen. Mich hat nach ca.  5 Minuten ein Italo-Armenier angequatscht und zum Kaffeetrinken eingeladen. Der war angeblich Designer und macht Innenarchitektur für Shopping-Malls. Wir hatten einen Cappucino miteinander, dann hab ich ihn weiter geschickt. Ich habe einfach keine Lust auf solche Flirts, ich möchte ganz gern diese Stadt allein entdecken. In der ganzen Stadt läuft gerade das Adelaide Fringe Festival mit viel Musik, Fressständen und Theater. Ich habe mir eine Karte gekauft für ein Performance Stück über Depressionen und deren Wirkung auf Beziehungen. Dabei war Auswahlkriterium eher, für was es noch Karten gab. Ich dachte eigentlich der Beschreibung nach, dass es irgendeine Stand up Comedy über Männer/Frauen ist, es war aber weitgehend ernst gemeint. Ziemlich gutes Stück einer Londoner Aktivistin und Performance Künstlerin, Bryony Kimmings und ihrem Freund Tim Grayburn. Einiges davon kam mir ziemlich bekannt vor. Ist schon interessant, dass ich gerade in diesem Stück lande.

Tag 28

Im Festival Centre habe ich mir eine Ausstellung über chinesische zeitgenössische Kunst angesehen und bin um das Gelände herumspaziert. Am Murray River gibt es Kunstinstallationen und Tretboote und wegen des Festivals sind überall Plakate über die Events. Von da aus bin ich an der Uni entlang zum Southern Australian Museum, wo es eine anthropologische Sammlung über die Aborigines und die Südsee gibt, außerdem eine naturkundliche Abteilung. Danach wollte ich noch in das Zentrum der Aborigines Tananya, aber das hatte nur noch 5 Minuten offen, als ich gekommen bin. Also bin ich nur kurz durchgelaufen, scheint aber auch nicht so spektakulär zu sein. Es ist wie überall: Eine Ausstellung, ein Cultural Centre oder ähnliches wird angekündigt, geleitet von Aborigines, die aber nicht sichtbar sind. Nur weißes Personal. Man hat den Eindruck, die Sammlungen werden mit viel Enthusiasmus zusammengebracht und dann kümmert sich kein Mensch mehr darum. Das war am Uluru schon so und hier ist es nicht anders.

Dann war ich am Flughafen, das Auto holen. Die spinnen total mit ihren Preisen. Ich hatte es schon über Expedia bezahlt, aber die Gebühr für den anderen Abholort als Rückgabeort,die Vollkasko und das Navi machen noch einmal mehr als den Preis für das Auto. Völlig wahnsinnig.

Mit dem Auto bin ich dann zum Western Beach rausgefahren. Der ist lang und sandig und gut zum Spazierengehen, ich hatte aber keine Lust, allein am Wasser entlangzulaufen und bin dann wieder in die Stadt reingefahren. Beim Abendessen habe ich einen Australier kennengelernt, John,der mir ganz viel erzählt hat, was ich aber  weitestgehend nicht verstanden habe. Vielleicht wegen den 2 Gin Tonic, die er mir hingestellt hat, aber ich glaub eher, wegen der Sprache oder vielleicht wegen beidem. Irgendwas von seiner beruflichen Laufbahn, keine Ahnung. Und was von seinen Kindern. Am Ende meinte er: „To make the long story short: I did it.“ Na, dann ist ja gut. Was, wird ewig ein Rätsel bleiben.

Tag 29

Heute morgen bin ich aufgewacht und hab mir geschworen, nie wieder Alkohol. Ich war so müde und k .o., ich konnte kaum zu mir kommen. Das war definitiv zu viel gestern Abend. Dabei wollte ich ja eigentlich gar keinen Drink, aber irgendwie kam es dann anders. Der hat gequatscht und gequatscht und nachbestellt, und dann hab ich das halt getrunken. Jedenfalls, heute bereue ich das natürlich. So ein Scheiß.

Nach dem Frühstück wollte ich losfahren. Leider hat das Navi nicht funktioniert, so dass ich nicht einmal wusste, wie ich aus der Stadt rauskommen soll. Geschweige denn, wie ich auf die Great Ocean Road kommen soll. Also bin ich mit dem Navi von meinem Handy zum Flughafen gefahren und hab das Navi ausgetauscht. Das hat mich eine weitere Stunde gekostet, so dass ich dann erst so um 11.30 Uhr losgekommen bin.

Etwas schräg war dann auch das mit der nächsten Unterkunft. Ich habe über Couchsurfing einen Farmer gefunden, der mich vom 12.-14. aufnehmen wollte. Den habe ich gestern nochmal angefragt, ob alls ok geht. Er hat dann heute früh kurz geantwortet, ja, morgen ist ok. Ich hab nachgefragt, ob heute auch ok ist, weil das war ja schließlich verabredet. Eine Antwort hatte ich noch nicht. Ich bin also losgefahren, ohne zu wissen, wo ich abends schlafe. Ich dachte, ich fahr mal hin und schau, was da ist, notfalls fahre ich noch weiter und such mir was.

Die Fahrt war gut. Die Straße ist gut ausgebaut und ich bin durch weite Ebenen und Heidelandschaften gefahren. Dabei habe ich mich durchaus wohlgefühlt, ich liebe Roadtrips, auch gern allein. Man kommt zum Nachdenken und kann halten wo man will, man kann die Musik hören, die man will und Autofahren macht mir nichts aus. Ich habe gedacht, ich bin zwar allein, aber überhaupt nicht einsam. Ich war  beizeiten zu zweit schon viel einsamer als jetzt. Mir geht es gut, die Landschaft zieht an mir vorüber, ich halte Ausschau nach Kängurus, die sich leider nicht blicken lassen und genieße die Fahrt. In einem Kaff namens Meningie habe ich angehalten und ein Sandwich gekauft im Café am Ende des Universums, so sah es jedenfalls aus. Das habe ich am Strand gegessen und die Möven beobachtet, wie sie sich mir langsam genähert haben in der Hoffnung auf Krümel. Eine davon war besonders frech und hat die anderen immer weggejagt.

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Plötzlich war dann auf meinem Handy doch die sms, dass heute ok ist. Ich bin also zu der Farm von Jimmy Parker gefahren und hab ihn erst nicht gefunden. Dafür standen seine Brüder auf einer Wiese mit hunderten Schafen. Die haben ihn auch nicht gefunden. Es stellte sich heraus, dass es eine extrem schlechte Versorgung mit Telefon und Internet gibt, weshalb er mir auch nicht früher geantwortet hat. In seinem Haus war dann Zuzana, eine Tschechin, die mit Mann und Kind unterwegs ist für 3 Monate. Wir haben Abendessen vorbereitet, bis die anderen kamen. Jimmy und seine Brüder, eine Taiwan-Chinesin namens René und Peter, Zuzanas Mann. Es kamen dann noch ein paar Freunde von Jimmy vorbei und haben ein Bier getrunken. Danach sind wir mit einem Auto die ganze riesige Farm abgefahren. Wir haben nach den Kühen, den Schafen und den Alpakas geschaut, es gibt ganz viele neugeborene Kälbchen. Jimmy züchtet Angus-Rinder. Alle sind in guter Verfassung, sie sind den ganzen Tag draußen und haben die größtmögliche Freiheit. Paradiesisches Tierleben, das mit der traurigen Existenz unserer Stallkühe nichts zu tun hat.

Danach gab es dann Abendessen mit allen. Die Brüder haben Geschichten erzählt, von denen man aber nur einen Teil versteht, der Akzent ist einfach zu stark. Brutal. Aber es lief gute Rockmusik und der Rotwein lief auch in Strömen. Irgendwann hab ich gedacht, dass ich morgens eigentlich geschworen hatte, nie wieder Alkohol zu trinken…Für Abstinenzler ist dieses Land nicht wirklich geeignet….

Tag 30

Heute sind wir los, die Schafe anschauen und die Hühner versorgen. Dann sind wir losgefahren in dem alten Truck, ich hatte keine Ahnung, wohin.  Diese Trucks fahren überall. In der Wiese, über die Felder, am Flussufer, am Strand. Nachdem wir eine andere Farm angeschaut hatten, waren wir dann am Strand, der Ozean grün und blau und schillernd und vollkommen still. Nicht so der Truck. Der ist am Strand entlanggerast, Düne rauf, Düne runter, ein Wahnsinn, aber lustig. Und alles direkt am Wasser entlang. Am Ende des Trips waren wir dann in einer Bucht mit wunderbaren Felsen, glitzerndem Wasser, super.

Auf dem Rückweg dann endlich: Kängurus unter einem Baum.

Nachmittags mussten die Mutterkühe in ein anderes Gatter. Wir haben Kühe und Kälbchen mit einem Quad getrieben, den ich dann zeitweise auch fahren durfte. Yeah!

Jimmy hat ein eigenes Billardzimmer. Natürlich haben er und sein Sohn gegen René und mich gewonnen, sie üben jeden Tag. Danach sind wir noch Kaninchen jagen und Wombats suchen gefahren. Clayton, Jimmys Sohn, hat ein Kaninchen geschossen, das fand ich furchtbar. Die Jagd ist eher was für Kerle, nichts für städtische Pussies. Zum Glück muss ich es nicht essen, weil ich nicht mehr da sein werde. Wombats haben sich nicht blicken lassen, dafür war der Sternenhimmel fantastisch. Million Stars Hotel am Kreuz des Südens.

Allein im Outback

Tag 22

Allein im Outback, im Red Centre, der roten Mitte.  Andrea ist heute nach Hause geflogen, ich nach Alice Springs. Das Abenteuer beginnt. Ich fühle mich nach nicht immer einfachen Wochen frei, ungebunden und randvoll mit Abenteuerlust. Wenn alles sich ändert, ändere alles. Willst du anderes erleben, ändere dein Leben. Willst du neue Erfahrungen machen, verhalte dich so, dass die Erfahrungen in dein Leben kommen können.  So voller Freude und Spannung war ich seit langem nicht. Ich werde alles anders machen.

Das fängt  damit an, dass ich in einem Hostel übernachte, was ich noch nie getan habe. Den Schlafsaal habe ich mir zwar nicht angetan, das wäre dann doch ein bisschen zu heftig für den Anfang. Es sind eine Menge junge und auch ältere Leute aus allen möglichen Ländern hier, die Atmosphäre ist nett und entspannt. Jeden Abend läuft im Garten ein Film auf der Großleinwand, Outbackkino. Sogar ein Swimmingpool ist da, also, welch ein Luxus! Dafür gibt es Gemeinschaftsduschen und -klos, wie auf dem Campingplatz. Das ist ein bisschen ungewohnt, aber ich wollte ja was anderes.

Tag 23

Um 6.00 Uhr beginnt das Abenteuer. Joe, unser Guide, hat mich und die anderen mit einer Mischung aus Lastwagen, Bus und Camper abgeholt und die 450 km zum Uluru gefahren, durch Wüste, steppenartige Landschaft auf rotem Sand, Hügel, Berge und Tafelberge. Die Gegend wird von Rinderfarmern bewirtschaftet, pro Kuh steht 1 qkm zur Verfügung. Die Farmen haben etwa 4000 qkm Größe. Alles ist sehr trocken, das Gras ist gelb, man kann kaum glauben, dass es kürzlich geregnet hat.

Am Ende stand der Klotz dann da. Mächtig. Rot. Mystisch. Der heilige Berg der Aborigines, deren Geschichten nur teilweise an Weiße weitergegeben werden, die ganze komplexe Mythologie ist nach wie vor ihr Geheimnis. Wir erfahren nur die Oberfläche, die Geschichten, die kleinen Kindern erzählt werden. Für alles andere sind wir Weiße offenbar nicht geeignet oder nicht in der Lage, es zu verstehen.

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Kaum zu glauben, denn diese Leute mit ihrer uralten Kultur hängen in Alice Springs nur herum, fett vom Fast Food und heruntergekommen vom Alkohol.  Der weiße Mann hat sich auch hier nicht mit Ruhm bekleckert, als er diesen Leuten seine Lebensweise aufzwingen wollte. Das Ergebnis ist traurig: Gestalten, die jede Würde verloren haben und vom Sozialsystem leben. Angeblich gibt es noch Orte, wo das anders ist, an die kommen wir aber nicht heran. Man kann es nur hoffen.

Zum Sonnenuntergang waren wir dann noch bei einem Aussichtspunkt, wo natürlich alle hinfahren und haben – wie alle anderen – Champagner und Cracker mit Dip bekommen. Das war dann der wir-machen-es-wie-alle-anderen-Teil der Tour.

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Übernachtung im Zeltlager, wieder was Neues. Wir haben festinstallierte Zelte, die Klos und Duschen sind etwa 300 m weit weg. Im Zelt steht ein Bett und fertig. Es gibt auch Swags, das sind so größere Schlafsäcke mit wasserfestem Material drumrum, mit denen man draussen schlafen kann. Mal sehen, ob das einer macht, angesichts der Schlangen und Skorpione, die hier angeblich rumkriechen. Ich hätte es überlegt, wenn die Nacht sternenklar gewesen wäre, ist sie aber nicht und deshalb bin ich ganz froh um die Ausrede. Zum Abendessen gab es scharfes Kängurucurry und vegetarisches Chili con Carne, sehr lecker. Ich fühle mich großartig, young at heart und ungebunden, eingebettet in diese karge, wilde, aber großartige Landschaft. Nichts fehlt.

Tag 24

Die Nacht war kurz, wir sind um 5.00 Uhr aufgestanden zum Sonnenaufgang am Uluru.

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Bei den Olgas, Katatjuta,  hat Joe uns auf eine dreistündige Wanderung in eine Schlucht zwischen den Bergen geführt, wunderschön. Weit und breit niemand, ein paar vereinzelte Wanderer kommen uns auf dem Rückweg entgegen. Die roten Berge und die Sicht über die Weite der Wüste lösen Gefühle von Freiheit und Abenteuer aus. Die Hitze nimmt zu. Einige kehren um, als es steiler und unwegsamer wird. Die sportlicheren kraxeln weiter und werden mit grandiosen Ausblicken belohnt.

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Der Mount Collins, ein Tafelberg, zeigt sich bei der Weiterfahrt aus der Ferne.

Abends kommen wir auf einem Campingplatz weit ab von allem an. Outbacker geht’s nicht, Barbecue am offenen Feuer ist die einzig passende und mögliche Mahlzeit. Das Klo ist am Ende der Welt und hat keine Tür. Noch weiter weg ist nur die Dusche, ebenfalls mit Aussicht in die endlose Weite.

Tag 25

Der Kings Canyon sieht aus wie der Grand Canyon in der Puppenstubenversion. Wir sind einen Rundweg von ca. 6 km über den Rim gelaufen, erst eine steile Flanke hinauf, dann am Rand der Schlucht entlang und in die Tiefe zu einem Wasserloch, das „Garden of Eden“ heißt. Unterwegs zum nächsten Camp haben wir wilde Pferde gesehen und einen Dingo, der zwischen den Bungalows eines Resorts durchgelaufen ist. Abends am Camp können wir in einem Wasserloch zwischen zwei Steilwänden schwimmen. Welch ein Genuss nach der Hitze und dem Staub des Tages! Ganz am anderen Ende hängt ein Seil, an dem man sich ins Wasser schwingen kann. Joe und ich haben ein bisschen Tarzan gespielt. Cool. Komischerweise wollte keiner der anderen so weit schwimmen. Versteh das einer, bei der Hitze gibt’s doch nichts Besseres!

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Tag 26

Heute war Sport und Entspannung angesagt. Die erste Schlucht war die tollste, die Red Banks Gorge, die war gorgeous. Man schwimmt über einen See in einen Canyon hinein, der immer schmaler wird. Auch die Wassertümpel werden immer schmaler, teilweise muss man über wirklich glatte, moosige Felsen klettern, um in den nächsten reinzukommen und durchschwimmen zu können. Nach einiger Zeit, man hat kaum noch Platz, beim Schwimmen die Arme auszustrecken, kommt man an ein Seil, das einen durch einen Felsdurchgang zum nächsten Level bringt. Mit einiger Kraftanstrengung kann man sich hinaufziehen und dann geht es über mehrere Level noch 2,5 km so weiter. Der Rückweg war schwieriger, alles, was wir vorher raufgeklettert sind, mussten wir jetzt ja wieder runter. Wir haben also das getan, wovor uns unsere Eltern und wir unsere Kinder immer gewarnt haben: Wir sind in unbekanntes, dunkles Wasser gesprungen in der Hoffnung, dass da kein Felsen ist. Ein paar Schrammen sind die Quittung.

Der zweite Schwimmstopp war nicht so spektakulär. Nachdem man den See durchschwommen hat, konnte man sich unter einem Felsüberhang ins Wasser setzen und die Fische beobachten und an sich knabbern lassen. Völlig unerwarteter Weise gab es in der Nähe einen Kiosk mit Eiskaffee als Spezialität.

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Dann waren wir noch bei den Ochre Mines, einer ehemaligen Stätte, an der Ocker abgebaut wurde. Die Gesteinsschichten sind vielfarbig, sie waren ursprünglich aufeinander, wurden aber durch geologische Verwerfungen senkrecht gestellt.

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Danach noch ein drittes Wasserloch und schon ging es wieder nach Alice Springs.

Zum Abendessen hat sich die Gruppe noch einmal getroffen und im Hilton Alice Springs im Thai-Indischen Restaurant Zivilisation geübt, nachdem wir tagelang völlig verwildert sind. Am Ende habe ich nicht einmal mehr Unterwäsche getragen, die hab ich in meinem Gepäck nicht auf die Schnelle gefunden, als ich gemerkt habe, dass der Bikini nach den Schwimmpausen nicht rechtzeitig getrocknet ist bis zum Bus. Und im nassen Badeanzug im Bus sitzen wollte ich dann auch nicht.

Ich habe mich gefühlt wie nach wochenlangen Touren, frei, entspannt und völlig mit mir und der Welt im Reinen. Es war ein Genuss, aus dem Fenster zu schauen und die Landschaft zu betrachten, ein bisschen zu schlafen, ein bisschen nachzudenken und alles zu genießen. All meine Probleme von zuhause sind so weit weg, sie interessieren mich einfach nicht mehr.  Langsam erfüllt diese Reise ihren Zweck und bringt mich weit genug weg, um durch größere innere Freiheit wieder zu mehr Lebendigkeit zu kommen.

Hervey Bay und Brisbane

Tag 19

Ruhe- und Relaxtag in Hervey Bay.

Joggen und schwimmen vor dem Frühstück mit frischen Semmeln, die wir erst mal getoastet haben, damit sie nicht so im Mund kleben. Zum Glück hatten wir  noch diese herrlichen Mangos und eine Avocado, so dass es nicht so schlimm war. Zum Strand sind wir mit vom Hotel geliehenen Fahrrädern.  Die haben wir an der Strandbar abgestellt und abgeschlossen. Nach Strand, Meer und Abendspaziergang sind wir zurückgekommen und mussten feststellen, dass das Schloss weg war. Hä? Das Schloss? Ja genau. Die Diebe haben es offenbar irgendwie aufgekriegt und mitgenommen, die Räder standen fast unversehrt da. Na ja, bei meinem war die Kette rausgesprungen, die ich wieder eingehängt habe, damit ich das Rad nicht 5 km schieben muss. Dafür waren meine Finger dann schwarz. So lernt man Radl-Richten.

Tag 20

Brisbane ist eine sympathische Stadt. Wir haben gleich die Queen Street gefunden, eine Fußgängerzone mit vielen Läden und Cafés, sehr urban und nett. Daran schließt sich der Botanische Garten an, eine Oase.

Von da aus sind wir in die nächste Fähre eingestiegen und haben eine Flussrundfahrt auf dem Brisbane River gemacht, bis zur Endstation und zurück. Keiner wollte einen Fahrschein sehen, wäre auch sinnlos gewesen, wir hatten ja keinen. Als wir auf der Rückfahrt mitgekriegt haben, dass es im Schiff Fahrscheine zu kaufen gibt, war es dafür irgendwie auch schon zu spät.

Zum Abendessen sind wir zum Eagle Pier, da gibt es eine Menge Restaurants und Bars, sehr nett und stimmungsvoll mit Blick auf die Story Bridge, die mit roten Lämpchen erleuchtet ist.

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Tag 21

Unseren letzten gemeinsamen Tag in Brisbane haben wir auf der South Bank am Gelände der Weltausstellung 1988 verbracht. Das ist eine recht nette Anlage mit einem Convention Centre und einer Universität. Gleich am Fluss gibt es ein Riesenrad und einen aufgeschütteten öffentlichen Strand mit Pool. Auf dem Heimweg haben wir einen Markt gefunden und sind noch einmal durch die Shopping-Meile geschlendert.

Diese Stadt ist bisher die schönste auf dieser Reise, finde ich. Und wie günstig die öffentlichen Fähren sind!

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